Case Study

Drupal für Österreichs Forschungsförderung: barrierefreier Website-Relaunch der FFG

Services
Suchmaschinenoptimierung (SEO), Webdesign & UX, E-Tracker

Wenn eine öffentliche Institution ihre digitale Infrastruktur modernisiert, müssen Barrierefreiheit, Skalierbarkeit und redaktionelle Selbstständigkeit gleichzeitig funktionieren. ACOLONO, Webagentur mit Sitz in Wien und Spezialisierung auf Open-Source-Systeme, hat das für die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG umgesetzt.

Die Ausgangssituation

Die FFG fördert anwendungsorientierte und industrienahe Forschung in Österreich, um den heimischen Wirtschaftsstandort zu stärken. Sie steht zu 100 Prozent im Eigentum der Republik Österreich, mit dem Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft sowie dem Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie als Eigentümervertretern. Seit ihrer Gründung 2004 hat sie über 60.000 Unternehmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen in mehr als 65.000 geförderten Projekten begleitet, bei einem Fördervolumen von über 13 Milliarden Euro.

Das bestehende CMS auf Drupal 9 war einsprachig und in seiner Inhaltsstruktur starr. Die Anforderungen des Web-Zugänglichkeits-Gesetzes (WZG) erfüllte es nicht ausreichend. Der Projektauftrag begann als reiner Frontend-Relaunch, entwickelte sich im Verlauf aber zu einer grundlegenden Erneuerung von Struktur, Darstellung und Pflege der Förderinformationen. Auch die ursprünglich geplante Übersetzung einzelner Seiten wuchs zu einem vollständigen mehrsprachigen System heran.

Laptop zeigt eine Website mit Inhalten über Zukunftsgestaltung und Förderungen, vor buntem Hintergrund.
Laptop mit offener Webseite, die Informationen über wirtschaftliche Forschung und Innovation zeigt. Hintergrund in leuchtenden Farben.

Warum Drupal

Für öffentliche Institutionen mit komplexen Inhaltsstrukturen, strengen Berechtigungsmodellen und gesetzlichen Anforderungen bietet Drupal 10 konkrete Vorteile. Mehrsprachigkeit ist ein natives Framework-Feature. Das Rollenmodell erlaubt granulare Berechtigungen für große Redaktionsteams, auch bei mehrschichtigen, teilweise restriktiven Freigabestrukturen. DSGVO-konformes Hosting auf europäischer Infrastruktur ist ohne Zusatzkonfiguration möglich.

Als Open-Source-CMS verursacht Drupal keine laufenden Lizenzkosten. Das Contrib-Ökosystem deckt die spezifischen Anforderungen öffentlicher Stellen ab. Die Community sichert langfristige Weiterentwicklung und Sicherheitsupdates.

Lösung

ACOLONO entwickelte ffg.at auf Drupal 10 neu, mit einem modernen Frontend-Stack und einer Architektur für kontinuierliches Inhaltswachstum.

Barrierefreiheit. In Zusammenarbeit mit Wienfluss, einer auf Accessibility-Audits spezialisierten Agentur, wurden strukturelle, inhaltliche und interaktive Barrieren identifiziert und behoben. Zwei konkrete Lösungen aus dem Audit: Eine Kalenderübersicht, die zunächst als HTML-Tabelle umgesetzt war, wurde durch eine Listenansicht ersetzt, da Tabellen nur bei echter tabellarischer Darstellung zulässig sind. Und eine individuelle Svelte-Kartenkomponente erhielt ein "Zum nächsten Abschnitt springen"-Tab-Menü, damit Nutzerinnen und Nutzer große Inhaltsblöcke per Tastatur überspringen können, zusätzlich zu Screenreader-Optimierung und ARIA-Labels. Dieses Prinzip wurde auf weitere große Komponenten übertragen.

Komponentenbasiertes Designsystem. Das Frontend wurde in Figma entworfen und direkt mit Storybook verknüpft. Über Tailwind-CSS-Variablen und einheitliche Namenskonventionen in Figma sind Design und Entwicklung durchgängig synchron. Jede Komponente in Storybook verlinkt auf das zugehörige Figma-Design, inklusive automatischer Barrierefreiheitsprüfung, responsiven Vorschauen und dokumentiertem Quellcode. Drupal nutzt diese Komponenten direkt, ohne Duplikate.

Landingpage-Baukasten. Autorisierte Redaktionsmitglieder erstellen komplexe, modulare Seiten wie ffg.at/dih eigenständig: mit filterbaren Karten, einem JSON-basierten Kalender für Ereignisse aus externen Quellen, ankerbasierter Navigation, Erfolgsgeschichten und zentral verwalteten Ansprechpersonen. Überschriftenmenüs und Strukturen werden automatisch generiert.

Mehrsprachigkeit ohne Datenverlust. ACOLONO überführte alle bestehenden Inhalte per benutzerdefinierter Update-Hooks in eine mehrsprachige Struktur, bei laufendem Redaktionsbetrieb und ohne einmalige Migration, da Redaktionsteams parallel weiterarbeiten mussten. Schulungsmaterial und Dokumentation begleiteten den Übergang.

Förderfinder mit Solr. Der Bereich ffg.at/foerderungen wurde technisch und konzeptionell neu strukturiert: konsolidierte und normalisierte Datenfelder, ein facettiertes Filtersystem auf Basis von Solr als Suchserver, mit Spezialentwicklungen für die Integration in die Drupal Search API, um unterschiedlichste Inhalte zentral filterbar zu machen.

Technische Infrastruktur. Die Architektur basiert auf CI/CD-Prozessen über GitLab für schnelle, zuverlässige Iterationen. Das Hosting läuft auf einem dedizierten europäischen Cluster mit Docker Swarm für Lastverteilung und Skalierbarkeit, ausgelegt auf hohen Datenverkehr und kurze Wiederherstellungszeiten. Das Layout wurde vollständig auf Drupal LayoutBuilder umgestellt.

Projektsteuerung. Bei einer Organisation mit über 400 Mitarbeitenden und entsprechend vielen Anspruchsgruppen übernahm ACOLONO die Rolle des Proxy Product Owner als zentrale Schnittstelle zu den Stakeholdern. IT-Support-Anfragen und Incident Management laufen strukturiert über Jira ServiceDesk.

Eingesetzte Technologien:

Drupal 10, Solr, Storybook, Figma, Tailwind CSS, Svelte, LayoutBuilder, Docker Swarm, GitLab CI/CD, Jira ServiceDesk

Besondere Herausforderungen

ffg.at kombinierte mehrere gleichzeitige Anforderungen: laufender Redaktionsbetrieb während der gesamten Entwicklung, ein Berechtigungsmodell für über 400 Mitarbeitende und Abstimmungsrunden mit rund 50 Teilnehmenden in größeren Online-Meetings, in denen ACOLONO den Redaktionsteams das neue System per Walkthrough vermittelte.

Barrierefreiheit bedeutete in der Praxis technische Detailarbeit weit über automatisierte Prüftools hinaus, wie die Kalender- und Kartenkomponente zeigen. Eine weitere technische Herausforderung waren komplexe, sich überschneidende Förderzeiträume: Eine einzelne Förderung kann mehrere Phasen gleichzeitig haben, die flexibel in Facetten, Filtern und gecachten Übersichten dargestellt und ausgeblendet werden müssen.

Die Anforderung, ursprünglich nur einen Frontend-Relaunch umzusetzen, erwies sich als eigene Herausforderung. In der Praxis mussten zahlreiche Inhaltstypen angepasst und ergänzt werden, während gleichzeitig viele Drupal-Module durch aktuellere Alternativen ersetzt wurden.

ACOLONO veröffentlichte im Projektverlauf mehrere Open-Source-Beiträge: Bugfixes für das Modul Views Exposed Filters Summary, eine Verbesserung am Facets-Modul und ein neues Modul für Block-Conditions, alle öffentlich auf drupal.org dokumentiert.

Ergebnis

  • Barrierefreie Plattform gemäß WZG, validiert durch externen Accessibility-Audit mit Wienfluss und iterativ verbessert

  • Vollständig mehrsprachige Drupal-Website ohne Datenverlust, mit nahtlosen Editor-Workflows

  • Das Redaktionsteam der FFG erstellt und verwaltet komplexe Inhalte, Landingpages und Förderübersichten ohne Entwicklungsunterstützung

  • Robustes Designsystem in Figma, direkt mit Storybook verknüpft, für laufende Zusammenarbeit und Weiterentwicklung

  • Vollständig DSGVO-konforme europäische Hosting-Infrastruktur mit hoher Verfügbarkeit und kurzer Wiederherstellungszeit, trotz umfangreicher Inhaltsdatenbank und hoher Systemkomplexität

  • Strukturiertes Incident Management über Jira ServiceDesk für schnellere Problemlösung

  • Drei Open-Source-Beiträge auf drupal.org, entwickelt aus dem Projektkontext heraus

Das FFG-Projekt zeigt, wie sich Barrierefreiheit systemseitig absichern lässt, validiert durch einen externen Audit und ausgezeichnet mit einem Sonderpreis für Accessibility. Seit 28. Juni 2025 gilt der European Accessibility Act auch für die Privatwirtschaft, in Österreich als BaFG, in Deutschland als BFSG. ACOLONO prüft Ihre Website auf WCAG-Konformität und zeigt konkret, wo Handlungsbedarf besteht.

Sie planen einen Website-Relaunch, eine Migration oder ein anderes digitales Projekt und suchen den richtigen Partner? Sprechen Sie mit uns.

ACOLONO ist eine Webagentur mit Sitz in Wien, Österreich, spezialisiert auf Drupal und Open-Source-Technologien. ACOLONO entwickelt Websites, Portale und digitale Plattformen für öffentliche Institutionen, NGOs und Unternehmen, mit Schwerpunkt auf Barrierefreiheit, komponentenbasierter Architektur und mehrsprachigen Systemen. ACOLONO ist seit 2005 in der Drupal-Community aktiv, mit über 950 Issue Credits auf drupal.org in den letzten zwölf Monaten.

Zur Plattform: ffg.at

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