ide hintze; eine nacht für alle zeiten.

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eugenio marrón casanova, cuba

es war wie ein sich-hinein-versetzen in die zeit, als arkadien sehr entfernt war; damals, noch sehr lange bevor alexander der grosse mit seinem schwert den gordischen knoten zerschnitt und somit die invokationen herausgefordert wurden. aus dem die hinkunft umhüllenden dunst konnte man damals nicht in die tage korinths und eleusis hineinblicken, durchdrungen von geheimnisvollen rätseln und kulten: nur der körper des menschen, seine bewegungen, ähnlich denen eines zum fliegen zu den sternen ansetzenden nachtvogels, waren wahrzunehmen. oder die laute aus der kehle, teils schmerz, teils lust, damit die kräfte, welche das herz zerreissen, stärker werden.

gleich einer wiederversöhnung des menschen mit der natur, aber auch im dialog des menschlichen mit dem göttlichen, offenbaren die laut-gedichte von ide hintze in holguin (wofür herzlich zu danken ist) einen willen zu einer art von auseinandersetzung, bei der - sorgfältig im umgang mit den details und gleichzeitig anspruchvoll - das drama und die rituale des opferbringens zusammenfliessen. das erste ist die begrenzung des bodens und der luft, damit füsse und hände das unsichtbare hervorrufen; das zweite sind die schattenflecken und das murmeln, damit das auge und das ohr das göttliche vorfühlen.

ide hintze bestätigt die worte von octavio paz, nämlich, dass "die poetische tätigkeit naturgemäss revolutionär ist; die geistige ausübung ist eine methode der inneren befreiung". in wirklichkeit: die laut-gedichte, die er schöpft, lassen ihre unbeugsamkeit spüren. das unmittelbar belehrende aus einer erfahrung, die aus sich selbst heraus revolutioniert und den geist für den vorschlag eines systems trainiert, das das verborgene für ein abenteuer der möglichkeiten freilegt, welche sich verändern und körpereinwärts des poeten, auf der reise zurück in die überlieferungen der vorfahren, horizonte aufdecken.

das faszinierende kann wohl aus dem unglaublichen kommen. es ist der innenhof eines gebäudes aus dem 19. jahrhundert. mit dem hauch der mozarabischen architektur, in der schwarzen nacht der tropen. für eine inszenierung, ein beginn: ein deutschsprachiger dichter, aus der geistigen grenze österreichs kommend, verwandelt sich in ein spielendes kind, aber gleichzeitig in einen anrufenden schamanen, gefolgt von einer sich im schatten der spanischen sprache befindlichen gruppe von dichtern, in einer stadt der karibik, einem zur wahrsagerei des wortes, der gestik, der zeremonie einladenden ort.

an den toren der weissen göttin - seine historische gramatik des poetischen mythos- schrieb robert graves: "die gegenwärtige ist eine zivilisation, in der die bedeutendsten sinnbilder der dichtung entehrt werden. die schlange, der löwe und der aar gehören in den zirkus; der ochse, der lachs und das wildschwein in die konservenfabrik; das rennpferd, der windhund auf die rennbahn; und der heilige wald gehört in die säge": mit der "goldenen flut" erobert ide hintze die ehre jener sinnbilder zurück, die im zuge der zerstörung der umwelt zu schwinden drohen, setzt sie in die heutige rede wieder ein; und aus der erfüllten begabung, und zum juben des dichters und seines schicksals, fährt er in eine nacht für alle zeiten.

(eugenio marrón casanova in einem bericht über einen performativen lautpoetischen auftritt des wiener lyrikers ide hintze im kulturhaus von holguin, kuba. übersetzung aus dem spanischen: werner hörtner.)

(eugenio marrón casanova. kubanischer dichter und essayist. wohnhaft in der stadt holguin, kuba. literaturprofessor an der kunsthochschule. publikationen: "los pedidos de la lluvia" (die bestellung des regens), bedacht mit dem preis für poesie dieser provinz im jahre 1987. "navegaciones al filo del alba" (navigationen am tagesanbruch), mit dem poesie-preis der stadt im jahre 1988 ausgezeichnet.)